• Ulrike Westkamp Ulrike Westkamp
  • Juni 20, 2020

Weltflüchtlingstag

Wer erinnert sich nicht an die Jahre 2015 und 2016, als binnen kürzester Zeit mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kamen?

Auch in Wesel stand die Aufnahme, Unterbringung und – so die Menschen hier geblieben sind – Integration auf der politischen und gesellschaftlichen Agenda. In der Spitze waren über 1000 Menschen aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und vielen anderen Ländern hier bei uns.

Die Zahlen in Deutschland sind rückläufig. 2019 kamen noch 165.000 Menschen (bei einer Gesamteinwohnerzahl von 83 Millionen). Sind die fluchtauslösenden Probleme dieser Welt also kleiner geworden?

Leider nicht, im Gegenteil! Weltweit sind derzeit über 70 Millionen Menschen auf der Flucht, aus den unterschiedlichsten Gründen: Bürgerkriege, Hunger, politische Verfolgung, Klimawandel, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit.

Die Welt ist kleiner geworden. Bei allen Problemen, die wir haben, dürfen wir nicht vergessen, dass viele der Länder, aus denen Flüchtlinge kommen, nur drei, vier Flugstunden von hier entfernt sind. Und solange der Reichtum dieser Welt ungleich verteilt ist und es diktatorische, korrupte Regime sowie Bürgerkriege gibt, wird es auch Flüchtlinge geben.

Dass sie nicht alle in Europa aufgenommen werden können, ist offensichtlich. Das will auch keiner. Aber die Flüchtlinge haben Anspruch auf unsere Solidarität und deutsche/europäische Politik hat ihren Beitrag zu leisten, dass die Krisenherde dieser Welt kleiner werden. Auch finanziell müssen wir uns beteiligen, individuell durch Spenden und als Staat durch den Einsatz von Steuermitteln. Wer hier spart, trägt dazu bei, dass sich in den Flüchtlingslagern dieser Welt, in Jordanien, im Libanon, in der Türkei, Menschen auf den Weg machen, damit sie überleben.

Die Vereinten Nationen haben 2001 den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag erklärt. Für uns alle kann ein solcher offizieller Tag Anlass sein, sich mit dieser so wichtigen Frage zu beschäftigen.